Liebe FreuWädenswil, Sigrid Lüber, Ocean Care, 20.9.11, Manuela Mattnde der Meere und von OceanCare

Gestern startete der informelle Konsultativ Prozess des UNO Seerechtsabkommens zur Rolle des Seafoods in der globalen Ernährungssicherheit. Wie immer gab es als erstes die Gelegenheit für ein generelles Statement, das von vielen Ländern und Regionalen Zusammenschlüssen von Ländern wie EU, G77 und China, Pazifik Islands genutzt wurde. Auch das United Nations Environment Programme (UNEP) gab ein Statement und ich durfte den Vormittag mit meinem OceanCare Statement abrunden. Dieses wurde sehr gut aufgenommen, ich wurde von mehreren Ländern angesprochen, auch am Abend auf dem Empfang in der Botschaft Neuseelands.

Am Nachmittag begannen dann die Präsentationen und Podiumsdiskussionen. Es war sehr interessant und ich habe viel gelernt und einen ganz anderen Blick auf Ernährungssicherheit erhalten. Was ist das eigentlich und wie wird das definiert?

Der World Food Summit befand 1996, dass Ernährungssicherheit dann besteht, wenn alle Menschen jederzeit Zugang zu ausreichend, sicherer und nährstoffreicher Nahrung haben, um ein gesundes und aktives Leben zu führen.

Ein Haushalt gilt als „ernährungsgesichert“ wenn seine Mitglieder nicht hungern oder Unterernährung befürchten müssen. Nach Angaben der FAO (2013) leiden weltweit rund 842 Millionen Menschen unter chronischem Hunger durch extreme Armut und für bis zu 2 Milliarden Menschen ist die Ernährung zumindest zeitweise unsicher.

Da mutet es erschreckend an zu hören, dass der Fischkonsum rasant gestiegen ist mit einem Pro Kopf und Jahr Konsum von gegenwärtig 18,8 kg, gegenüber einem Pro Kopf und Jahr Konsum von 6 kg im Jahre 1950. Drei Milliarden Menschen sind darauf angewiesen, 20% des Proteinbedarfs über den Fischkonsum abzudecken. Es wird sofort klar, dass der Fischexport aus gewissen Ländern die Ernährungssicherheit der lokalen Bevölkerung bedroht. Exportiert wird der Fisch ja, um mit dem Verkauf einen schönen Gewinn zu machen. Die Ökolabels unter denen im Handel Fisch für ihre nachhaltige Herkunft zertifizieren, haben den Beweis noch nicht erbracht, dass sie zur Ernährungssicherheit beitragen. Kann sein, dass die Menschen in den reichen Ländern dadurch mehr Fisch essen, weil sie das ja mit „gutem“ Gewissen tun können. Man sieht also, dass wie bei anderen Nahrungsmitteln auch hier die Frage der Verteilung gestellt werden muss. Und wie sich die schwindenden Fischpopulationen auf die globale Ernährungssicherheit auswirken wird, konnte noch nicht abschliessend eingeschätzt werden.

Man kann es daher nicht genug sagen: Es ist wichtig, auf den Konsum von Meerfisch zu verzichten oder diesen auf maximal eine Mahlzeit pro Monat zu beschränken. Dies sind wir unseren Mitmenschen aus Ländern, die auf die Proteinquelle Fisch angewiesen sind schuldig. Und auch den Fischen, damit diese ihr Erwachsenenalter erreichen und sich fortpflanzen können.

Ich werde mich dafür einsetzen, dass der negative Einfluss der Suche nach Rohöl mittels Druckluftkanonen, die die Ernährungssicherheit massivst gefährdet, zu Kenntnis genommen wird. Es muss verstanden werden, dass die Ernährung höher gewichtet werden muss als die Energie. Die Fischbestände dürfen nicht für kurzfristiges Profitdenken der Ölindustrie geopfert werden. Das OceanCare Kredo ist daher „Food before Energy!

Mehr Infos folgen Morgen. Bleiben Sie dran!

Ihre Sigrid Lüber