Tier- und Naturschützer senden Bürgermeister Koch Petitionen

Wädenswil/Pfungstadt, 4. Oktober 2017. Tier- und Naturschutzorganisationen aus ganz Deutschland und der Schweiz senden diese Woche mehr als 31’000 Unterschriften gegen den Bau des geplanten Hai-Aquariums Shark City an Pfungstadts Bürgermeister Patrick Koch. Die Unterschriften gesammelt haben OceanCare, Pro Wildlife, PETA Deutschland und Animal Public. Das kommerzielle Grossprojekt ist seit Monaten in der Kritik – unter anderem, weil eigens hierfür Haie aus den Ozeanen eingefangen werden sollen und einige der geplanten Hai-Arten für eine Haltung in Gefangenschaft nicht geeignet sind.

Die Kritik der Tier- und Naturschutzorganisationen hat viele Facetten. Beispielsweise werden fehlender Arten- und Tierschutz, fragwürdiger Bildungsanspruch und unglaubwürdige Steuereinnahmen bemängelt:

„Die Betreiber von Shark City haben bereits bestätigt, dass jeder sechste Hai ein Wildfang aus dem Meer sein wird. Angesichts der Bedrohung vieler Haibestände sendet diese Selbstbedienungsmentalität ein völlig falsches Signal an die Öffentlichkeit“, betont Dr. Sandra Altherr, Biologin und Mitbegründerin von Pro Wildlife. „Wir befürchten auch, dass aufgrund der kurzen Überlebenszeiten vieler Hai-Arten in Gefangenschaft der Bestand immer wieder aus den Meeren nachbestückt werden muss.“

„Das Zeigen von Haien in Aquarien ist ein veraltetes Modell. Es sind bereits Virtual Reality Aquarien in Planung, die es ermöglichen, mit allen Sinnen in den Lebensraum der Tiere einzutauchen und sie hautnah in ihrem natürlichen Verhalten zu beobachten – und dies, ohne ein einziges Tier einsperren zu müssen. Das ist Umweltbildung im 21. Jahrhundert“, sagt Dr. phil. nat. Silvia Frey, Naturschutz-Biologin und Leiterin Wissenschaft & Bildung bei OceanCare.

Viele Haie in Gefangenschaft sterben frühzeitig an Verletzungen, die sie sich an den Glaswänden der Aquarien zufügen oder die sie durch andere Fische im Becken erleiden. Weitere Todesursachen sind falsche Ernährung oder Sauerstoffmangel – denn viele nicht aktiv atmende Hai-Arten müssen permanent schwimmen, was in zu kleinen Becken schwierig ist. „Nur der Ozean ist eine artgerechte Heimat für Haie“, fasst Dr. Tanja Breining, Meeresbiologin und Fachreferentin bei PETA, die Tierschutzprobleme zusammen.

Laura Zodrow, Vorsitzende von Animal Public, betont: “Immer mehr Menschen lehnen die Gefangenhaltung von Wildtieren für Unterhaltungszwecke ab, das zeigen neben dem Widerstand der Pfungstädter Bürger gegen Shark City auch die sinkenden Besucherzahlen in den grossen Zoos. Der Bau eines neuen Hai-Aquariums ist daher nicht zeitgemäss und wird mit grösster Wahrscheinlichkeit der Kommune nicht die erhofften Steuereinnahmen, sondern nur viel Ärger bringen.”

Auch Prominente wie der Schauspieler Hannes Jaenicke und der TV-Kriminalbiologe Mark Benecke sprechen sich öffentlich gegen das Shark City aus.

Die Unterschriften sollten eigentlich bei einer für den 5. Oktober angesetzten Podiumsdiskussion an den Bürgermeister von Pfungstadt persönlich übergeben werden. Da dieser Termin abgesagt wurde, werden die Unterschriften nun schriftlich eingereicht.