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Heute war für die NGO’s und sämtliche Walschützer ein Tag zum feiern. Der Antrag Dänemarks zur Erhöhung der Fangquote von Grönland wurde von einer grossen Mehrheit der Mitgliedstaaten des IWC abgelehnt. Das deutliche Resultat der Abstimmung macht Mut für die Zukunft. Da der ganze Tag von den teilweise heftigen Diskussionen und deftigen Voten überschattet wurde, möchte ich an dieser Stelle genauer auf die gesamten Vorgänge eingehen. Auch die Position der Schweiz muss ausführlich betrachtet werden, da sie für den Antrag gestimmt hat.

Doch zunächst noch kurz zu etwas anderem: Heute Morgen um neun Uhr haben wir – OceanCare – zusammen mit BlueVoice.org das White Paper „A Shared Fate“ (Zusammenfassung in Deutsch) durch eine Pressekonferenz offiziell vorgestellt. Ich hatte dabei die grosse Ehre, neben Hardy Jones, dem bekannten Tierfilmer vor der Kamera zu stehen, um bei allfälligen Fragen auf Deutsch auszuhelfen. Die Aktion kann als Erfolg verbucht werden, da wir nun beinahe keine Kopien davon mehr haben. Das ist ein gutes Zeichen dafür, dass wir unser Ziel, diese wichtigen Informationen publik zu machen erreichen können. Zudem haben wir zahlreiche Landesvertreter direkt auf die im Text erwähnten Missstände angesprochen und ihnen das Dokument persönlich übergeben.

Anschliessend startete die Plenar-Sitzung des vierten Tages und schon bald war der Antrag Dänemarks an der Reihe. Dänemark zeigte sich bereit, auf acht Finnwale ihrer Fangquote zu verzichten, wenn ihr Antrag angenommen wird. Denn Finnwale sind einerseits schneller und somit schwieriger zu bejagen und andrerseits soll das Fleisch der Buckelwale schmackhafter sein. Da sich Slowenien im Namen der EU zu Wort meldete und sagte, dass dieser Vorschlag nicht unterstützt werden könne, war eine Annahme des Antrags durch Konses – wie es eigentlich gemäss der neuen Vorgehens- weise der Kommission sein sollte – zum Glück für die Buckelwale nicht möglich. Damit war klar, es würde zur Abstimmung kommen.

Doch auch die Abstimmung fand nicht sofort statt. Russland forderte, dass zunächst noch eine offene Diskussion stattfinden solle. Was dann folgte, kann nur als lächerlich bezeichnet werden: Mit Vorwürfen gegen die EU, die meist jeglicher Grundlage entbehrten, wollten die Walfangstaaten ihren Unmut über die ablehnende Haltung kundtun. Da ich auf diese unnötige Diskussion gar nicht im Detail eingehen möchte, erwähne ich an dieser Stelle nur das meines Erachtens sinnvollste und für uns interessanteste Votum aus der Masse. Der Beitrag der Schweiz war sachlich vorgetragen und auch inhaltlich treffend. Der Comissioner der Schweiz verwies darauf, dass dieser Vorschlag nicht annehmbar sei, da das wissenschaftliche Komitee seine Empfehlung nur für ein Jahr abgegeben hat, während die geforderte Fanquote fünf Jahre überdauern soll. Somit sei eine Annahme des Antrags nicht tragbar.

Nach der Mittagpause forderte Dänemark das wissenschaftliche Komitee auf, bezüglich der ad hoc interim Empfehlung genauer Stellung zu nehmen. Die Antwort lautete, dass die Tötung von zehn Buckelwahlen pro Jahr die Population nicht gefährde. Und das nicht nur für ein, sondern für zehn Jahre. Darauf hat die Schweiz für den Antrag gestimmt. Diese Tatsache ist meiner Meinung erschreckend, wenn auch nachvollziehbar, da die Schweiz im folgenden Statement ergänzte, dass ihre Entscheidungen stets auf wissenschaftlichen Empfehlungen basiere. Es bleibt nichts anders übrig, als diese Entscheidung zu akzeptieren, auch wenn die im Blog vom 24. Juni erwähnten Vorbehalte bezüglich der Notwendigkeit dieser zusätzlichen Quote weiterhin bestehen. Zudem ist meines Erachtens eine ad hoc interim Empfehlung nicht ausreichend, die Tötung von zehn Walen pro Jahr zu rechtfertigen. Weiter denke ich, dass wenn die Tötung von zehn Tieren deren Ausrottung nicht gefährdet, noch lange nicht die Voraussetzungen dazu gegeben sind, dass diese auch bejagt werden sollen.

Wie auch immer, der Antrag, der eine Mehrheit von drei Vierteln der Stimmen benötigt hätte, wurde mit 29 (pro) zu 36 (contra) Stimmen klar abgelehnt. Bedauerlicherweise ohne einem klaren „Nein“ von Seiten der Schweiz.

Ihr Andreas Welti