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Der erste Agendapunkt des heuten Tages war im Vorfeld der diesjährigen Konferenz einer der meistdiskutierten und führte auf Seiten der Walschützer zu grosser Besorgnis: Der Antrag Japans um eine Ergänzung des Anhangs der Konvention und damit der Gründung einer neuen Kategorie des Walfangs, dem „Small Type Costal Whaling“. Dies hätte für den Schutz der Wale weitläufige negative Konsequenzen. Denn wie bereits im Blog vom ersten Tag der Konferenz erwähnt, würde die Einführung des Küstenwalfangs einer Untergrabung des Walfangmoratoriums gleichkommen und andere Länder, die Walfang betreiben möchten dazu ermutigen, dasselbe Recht wie Japan einzufordern. Zudem handelt es sich dabei um eine klar kommerzielle Art des Walfangs, der auch den Handel des Fleisches – gar über die Grenzen hinaus – erlauben würde.

Ob nun die immensen Bemühungen von Seiten der NGO’s dazu geführt haben, dass Japan keine Chance für den Antrag gesehen hat oder ob es andere Gründe dafür gab, ist schwer nachvoll- ziehbar, wenn man als Beobachter – was wir NGO’s an der Walfangkonferenz nun einmal sind – nicht zu sämtlichen Sitzungen Zutritt hat. Wie auch immer; Japan hat den Antrag um ein Jahr aufgeschoben. Gemäss der Aussagen der japanischen Regierungs- vertreter geschah dies „im Sinne des Geistes der diesjährigen Konferenz“ (man ist ja nett zueinander). Sie merkten gleichzeitig an, sie seien sehr dankbar um die Ausweitung der Bemühungen, Entscheidungsbildung durch Konsens zu erreichen. Dies sei ein erster Schritt um die IWC zu retten, denn sie hätten sich in den letzten Jahren ihre Beziehung gegenüber der IWC immer wieder überdacht. Leider bedeutet hier aufgeschoben ist nicht gleich aufgehoben. Es ist zu erwarten, dass Japan nächstes Jahr, an der IWC in Portugal, eine verbesserte und eventuell eher mehrheits- fähige Version desselben Antrags vorlegen wird.

[Eine kurze Anmerkung zu den Aussagen Japans: Ein Ausstieg Japans aus der IWC hätte für den Walschutz tatsächlich unvorhersehbare Konsequenzen. Denn damit wäre es für die übrigen Staaten noch schwieriger, das Verhalten Japans bezüglich Walfangaktivitäten zu beeinflussen und zu kontrollieren.]

Gefolgt wurde dieses Statement Japans von der Besprechung der Resultate des wissenschaftlichen Komitees.

Dies führte zunächst zu einer ausführlichen Diskussion über den wissenschaftlichen Walfang. Enorm viele Staaten wollten hierzu ihre Statements abgeben. Auf der einen Seite jene, die dieses Vorgehen verurteilten und darauf verwiesen, dass auch nicht-tödliche Forschung denselben Zweck erfüllen könne. Und auf der anderen Seite wurde das Gegenteil behauptet; Der wissenschaftliche Walfang sei zur Erforschung und somit auch zur Erhaltung der Wale unabdingbar und gewisse Resultate könnten nur dann erbracht werden, wenn die Tiere auch getötet werden. Abgeschlossen wurde diese Runde von einem Statement der Schweiz, für die allgemein Tierforschung durch Tötung der Tiere nur dann akzeptabel ist, wenn vorgängig klare Forschungsziele definiert werden und die Tiere so wenig wie möglich leiden müssen.

Die Ergebnisse des wissenschaftlichen Komitees betreffend Klima- veränderung wurden begrüsst und von allen Seiten die Wichtigkeit einer Weiterführung dieser Bemühungen im entsprechenden Work- shop unterstrichen. Ein Problem, das die Wale stark betrifft ist beispielsweise das immer schnellere Abschmelzen des ewigen Eises. Krill, die hauptsächliche Nahrungsquelle von vielen Walarten, ist von dem Eis abhängig und ein Rückgang an Krill bedeutet, dass den Walen auf kurz oder lang die Nahrung ausgeht.

Der letzte wichtige Punkt der heutigen Sitzung, der hier angesprochen werden soll betrifft die Dall-Hafenschweinswale. Der Wissenschaftsausschuss empfiehlt, dass die Fangzahlen per sofort auf ein nachhaltiges Niveau reduziert werden sollten, da bei einer Ausbeutung auf dem jetzigen Niveau keinesfalls von nachhaltiger Nutzung gesprochen werden kann. Der Bestand ist gefährdet. Wobei ich anfügen möchte, dass sich diese Aussage auf sämtliche Kleinwalarten ausweiten lässt und nicht ausschliesslich die Dall- Hafenschweinswale in Japan betroffen sind. Auch hierzu hat sich der schweizer Regierungsvertreter gemeldet und durch sein Votum die Dringlichkeit dieses Missstandes gestärkt.

Diesen eigentlich positiven Entwicklungen zu Trotz, erhalte ich je länger je mehr den Eindruck, dass hier vor allem unglaublich viel gesprochen, aber nur selten etwas beschlossen oder gar unternommen wird. Das ungute Gefühl, dass in diesen Tagen in mir aufkam scheint sich mehr und mehr zu bestätigen. Trotzdem wüsste ich aber zurzeit keinen besseren oder einfacheren Weg, als über zähe Verhandlungen mit den Walfangstaaten, etwas für den Schutz dieser faszinierenden Meeressäuger zu tun. Also werde ich weiter versuchen, mich in diesen schwierigen Gewässern zurecht- zufinden, um die ansonsten schutzlosen Giganten der Meere zu verteidigen.

Ihr Andreas Welti