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Mit grossen Erwartungen und voller Spannung bin ich den zweiten Tag der Konferenz gestartet. Denn heute war vorgesehen, Punkt fünf der Agenda zu behandeln. Das heisst, die Mitgliedstaaten sollten über den Antrag entscheiden, den Dänemark – im Namen von Grönland – eingereicht hat, wonach zu der bestehenden Fangquote zusätzlich zehn Buckelwale pro Jahr hinzugefügt werden sollen. Dieser Antrag wurde bereits gestern eingereicht und heute in revidierter Form noch einmal vorgelegt. Das muss bedeuten, dass mit der ersten Version insofern etwas nicht in Ordnung war, dass er von den übrigen Mitgliedstaaten nicht angenommen worden wäre. Doch auf den ersten Blick ist kaum ein Unterschied zu erkennen.

Vergleicht man die Anträge aber genauer, so wird klar, dass bei der ersten Version die schon bestehenden Paragraphen betreffend Finn- und Zwerg- und Grönlandwalen abgeändert wurden. Es wird nicht mehr von getöteten, sondern von gelandeten Walen gesprochen, was bedeutet, dass die Wale, die während dem Transport verloren gehen, nicht gezählt werden. Das ist ein kleiner aber wichtiger Unterschied, da dies die Zahl der getöteten Tiere markant erhöhen würde. Bei der zweiten Version wurde dies korrigiert. Trotzdem wurde zu meiner Enttäuschung dieser Punkt der Agenda vorerst auf den Donnerstag verschoben und Dänemark erhielt die Möglichkeit, in einer ausführlichen Powerpoint- Präsentation aufzuzeigen, weshalb sie diese zusätzlichen Wale benötigt. Mein Kommentar hierzu habe ich bereits im gestrigen Blog beschrieben und kann keine neuen Erkenntnisse hinzufügen.

Weiter stand heute das Whale Watching als Diskussionspunkt auf der Agenda und Argentinien zeigte einen kurzen Film dazu. Sämtliche Wortmeldungen begrüssten diese Aktivitäten und unterstrichen die positiven finanziellen, gesellschaftlichen und auch wissenschaftlichen Effekte, die Whale Watching mit sich bringen kann. So kann es auch das Band zwischen den Walen und Menschen stärken, wobei aber immer beachtet werden sollte, dass die Wale dadurch nicht gestört oder gestresst werden. Dies ist meines Erachtens ein wichtiger Punkt, der hier aber leider nicht erwähnt wurde.

Heute wurde Tansania als neues Mitglied der IWC aufgenommen und festgehalten, dass dieses Jahr 72 der 81 Mitgliedstaaten an der Konferenz anwesend sind. Es wurden auch die Ergebnisse der Diskussionen über die Zukunft der IWC erläutert. Unter anderem wurde beschlossen, dass künftig sämtliche offiziellen Publikationen zusätzlich zum Englisch auch in Französisch und Spanisch erhältlich sein werden. Ausserdem wurde die Wichtigkeit des Konsens bei der Entscheidungsbildung unterstrichen.

Für mich persönlich bedeutete der zweite Tag eine Intensivierung der Verhandlungen mit den Comissioners, da ich mich bereits etwas wohler fühlte und ich auch bereit war zusätzliche Aufgaben anzunehmen und weitere Traktandenpunkte anzusprechen, um die Interessen der Wale zu vertreten.

Ihr Andreas Welti