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Heute, am Montag dem 23. Juni, wurde die 60. Internationale Walfangkonferenz mit einer Rede des chilenischen Aussenministers sowie der Umweltministerin offiziell eröffnet. Gestern noch wurden auf Seiten der NGO’s sowie der Regierungsvertreter in separaten Meetings die letzten Vorbereitungen getroffen. Während von diversen NGO-Vertretern die Befürchtung geäussert wurde, dass an der diesjährigen Konferenz wohl keine grossen Schritte in Richtung einer Stärkung des Wahlschutzes zu erwarten seien, beschlossen die Comissioners der Mitgliedstaaten, dass ausnahmsweise keine Resolutionen eingereicht werden sollen.

Mit diesem Beschluss bestätigten sich die Voraussagen jener, die behaupteten, dass dieses Jahr alle nur höflich miteinander umgehen möchten und somit keine wirklichen Probleme angesprochen werden. Gleichzeitig ist zu erwarten, dass Grönland die geforderte Erlaubnis erhalten wird, zehn zusätzliche Buckelwale pro Jahr zu töten. Dadurch entsteht ein Ungleichgewicht zwischen den Interessen jener, die den Walfang Befürworten und jenen, die ihn unterbinden möchten. Obwohl Grönland das zugesprochene Pensum in den letzten Jahren nicht ausgenutzt hat, wurde aufgrund der wachsenden Bevölkerung, eine Erhöhung der Fangquote gefordert. Dabei wurde jedoch nicht zwischen dem Wachstum der indigen und der übrigen Bevölkerung differenziert. Eine Tatsache, die befremdend wirkt, da die Fanquote eigentlich nur der indigenen Bevölkerung zustehen sollte und auch dementsprechend berechnet wird.

Weiter beunruhigt die Vertreter zum Schutz der Wale die Entwicklung in Schweden. Gemäss vorliegenden Informationen ist zu befürchten, dass es zu jenen Ländern gehören wird, die gegenüber dem japanischen Vorschlag für Küstenwalfang kompromissbereit sind. Sollte dieser Vorschlag Zustimmung finden, würde dies einer Untergrabung des Walfangmoratoriums gleich- kommen und andere Länder, die Walfang betreiben möchten dazu ermutigen, dasselbe Recht wie Japan einzufordern.

Doch es gibt glücklicherweise auch Positives zu Berichten. So wird Nicaragua dieses Jahr sein demokratisches Recht auf freie Willensbildung und Meinungsäusserung wahrnehmen und voraus- sichtlich nicht im Sinne Japans abstimmen.

Zudem dürfen dieses Jahr erstmals auch die Vertreter der NGO’s im Plenum vorsprechen: Am Mittwoch werden je drei (pro und contra Walfang) Personen jeweils fünf Minuten zur Verfügung haben, um die Interessen der NGOs zu vertreten. Das ist meines Erachtens sehr wenig Zeit – fünf Minuten pro Agendapunkt wären wohl eher angebracht – trotzdem ist es aber ein beachtlicher Schritt zu mehr Partizipation der NGO’s und damit der Zivilbevölkerung.

Weiter ist zu erwähnen, dass heute drei neue Mitgliedstaaten im IWC begrüsst wurden: Uruguay, Rumänien und die Republik Kongo.

Abgerundet wird die Konferenz wie üblich durch diverse Empfänge und Veranstaltungen: So wurde beispielsweise am Sonntagabend ein Aperitif in einem wunderschönen Schloss angeboten. Dort wurde unter Anderem verkündet, dass der Walfang in chilenischen Gewässern ab heute per Gesetz verboten ist. Heute wiederum wurden die Teilnehmer der Konferenz im chilenischen Aussen- ministerium empfangen. Diese Anlässe sind spannend und bedeuten für NGO-Vertreter – also auch für mich – hauptsächlich eine zusätzliche Möglichkeit, ausserhalb der kurzen Pausen während der Konferenz mit den verschiedenen Comissioners zu sprechen und diese zu den jeweiligen Traktandenpunkten im Sinne des Walschutz zu beraten.

Auch wenn dieses Jahr nur wenige Abstimmungen und Beschlüsse zu erwarten sind und die IWC hauptsächlich mit sich selbst und seiner Zukunft beschäftigt ist, gibt es viel zu tun, um deren Weiterentwicklung im Sinne der Wale positiv zu gestalten.

Ihr Andreas Welti