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Die Jahreskonferenz der Internationalen Walfangkommission (IWC) findet vom 2.-6. Juli statt. Brisant ist die Neuvergabe der Walfangquoten als Lebensgrundlage für indigene Völker. Insbesondere Grönland missbraucht diese zu kommerziellen Zwecken. OceanCare-Präsidentin Sigrid Lüber setzt sich in Panama City unter anderem dafür ein, dass dieser Missstand behoben wird. Seit 1989 ist die kommerzielle Jagd auf Grosswale weltweit verboten. Kleinwale sind vom Moratorium ausgenommen. Einzig indigene Völker dürfen Grosswale noch jagen. Jedoch nur, wenn der Walfang in deren Tradition kulturell verankert ist und sie auf das Fleisch als Nahrungsgrundlage angewiesen sind. Anfang Juli werden die Quoten für die Urbevölkerungen für vier Jahre neu vergeben. Bisher lag sie bei insgesamt 400 Walen pro Jahr.

Berge von Walfleisch

Das zweite Jahr in Folge beantragt Grönland eine Erhöhung seiner Walfangquote. Die zu Dänemark gehörende autonome Nation will jährlich 2 Grönlandwale, 19 bedrohte Finnwale, 10 Buckelwale und 190 Zwergwale töten. Das ergäbe rund 670 Tonnen Walfleisch pro Jahr. Hinzu kommen mehrere hundert Tonnen Fleisch von 3‘000 nicht geschützten Kleinwalen – Beluga, Narwale und Hafenschweinswale –, die Grönland jährlich erlegt.

Den Antrag begründet Grönland mit dem Bevölkerungswachstum. 56‘749 Einwohner zählt der Inselstaat aktuell. Davon haben aber nur 12% indigene Wurzeln und damit Anrecht auf Walfleisch. Der Rest ist zugezogen, hauptsächlich zum Abbau der Bodenschätze. Es ist offensichtlich, dass die Ausnahmeregelung missbraucht wird. Walfleisch kann in Grönland von jedermann im Supermarkt gekauft werden und die Touristen werden dazu animiert, die „Delikatesse“ in Restaurants zu probieren. Der Walfleischberg ist so gross, dass Grönland sogar Interesse am internationalen Handel mit Walprodukten bekundet hat.

Giftiges Menu

Was die Behörden verschweigen ist, dass das Walfleisch zum Teil toxisch ist. In Walprodukten werden Grenzwerte für Quecksilber, PCB oder DDT um bis zu 5.000fach überschritten. Aktuellen Studien zufolge leiden Volksgruppen, die regelmässig Wal- oder Delphinfleisch essen, besonders häufig unter anderem an Gedächtnisstörungen, Parkinson und Immunschwäche. Dies betrifft die Inuit in Grönland, Kanada und Alaska sowie die Bevölkerungen Japans, Islands sowie der Färöer-Inseln. OceanCare-Präsidentin Sigrid Lüber kritisiert die Ignoranz der betreffenden Regierungen: „Die medizinischen Befunde sind eindeutig. Entsprechend ist es absolut unverantwortlich, dass mitunter stark kontaminierte Walfleisch als Lebensmittel freizugeben. Die Behörden handeln wider besseres Wissen aus politischem Kalkül.“

Seit Jahren untersucht OceanCare die Giftstoff-Belastung im Fleisch der Wale. An der Walfangkonferenz und in relevanten UN-Gremien engagiert sich die Organisation dafür, dass die Bevölkerungen der Walfangländer über das Gesundheitsrisikos des Walfleischkonsums informiert werden und dass die Meeresverschmutzung endlich mit griffigen Massnahmen angegangen wird.

Walfang muss humaner werden

OceanCare respektiert, dass Ureinwohner Wale zur Selbstversorgung jagen dürfen. Doch es besteht Handlungsbedarf. Nicht nur beim Missbrauch der Quoten zu kommerziellen Zwecken, sondern auch hinsichtlich der Tötungsart. Wale empfinden Schmerz analog uns Menschen. Sie leiden Höllenqualen, wenn der Todeskampf mehr als zwei Stunden dauert. So geschehen vor zwei Jahren: Fünf Mal wurde 2010 ein Grönlandwal harpuniert, bis er zuletzt – als alle Harpunen verschossen waren – mit Gewehrschüssen zur Strecke gebracht wurde.

Seit 1992 nimmt OceanCare an den jährlichen Tagungen der Internationalen Walfangkonferenz teil und ist mit Akteuren und Regeln des Gremiums bestens vertraut. In Panama setzt sich Sigrid Lüber dafür ein, dass die Missstände im Hinblick auf indigene Walfangquoten behoben werden, die Tötung der Wale humaner wird und Kleinwale endlich auch durch das Walfangmoratorium geschützt werden.