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Walfleisch macht Ureinwohner krank

Wädenswil/München, 09.06.2009

Studie: Weltweit erkranken Menschen durch belastetes Walfleisch

Volksgruppen, die Wal- und Delphinfleisch essen, leiden häufiger an Gedächtnisstörungen, Parkinson-Erkrankungen und Immunschwächen. Dies zeigt ein Bericht, den OceanCare, die Schweizer Organisation zum Schutz der Meeressäuger und Ozeane, im Juni vorstellt. Inuit in Kanada, Alaska und Grönland sind besonders betroffen, aber auch die Bevölkerung von Industriestaaten wie Japan und den dänischen Färöer-Inseln. In Walprodukten werden Grenzwerte für Quecksilber, PCB oder DDT um das bis zu 5.000fache überschritten. OceanCare-Präsidentin Sigrid Lüber kritisiert die Ignoranz der betroffenen Regierungen: „Die medizinischen Befunde sind eindeutig. Dennoch empfehlen viele Regierungen weiterhin Walfleisch als gesundes Lebensmittel – aus politischen Motiven.“
 
Aus Japan und den semi-autonomen Färöer-Inseln sind einzelne Studien zur Belastung von Wal- und Delphinfleisch bekannt. Einen Überblick über die Giftstoffkonzentrationen von der Arktis bis zur Antarktis gibt erstmals der Bericht „Toxic Menu“ von OceanCare und der deutschen Artenschutzorganisation Pro Wildlife. Das Ergebnis: Ob Arktis oder Nordpazifik – die Schadstoffmengen in Walen und Delphinen sind so hoch, dass ihr Fleisch für den Verzehr nicht geeignet ist. „Besonders betroffen sind die Ureinwohner. Sie essen immer noch häufig Walfleisch“, sagt Lüber. Der Bericht zeigt auch, wie die Regierungen in den Walfangländern die Gesundheitsrisiken verharmlosen.
 
Die Liste von Krankheiten, die mit belastetem Walfleisch in Zusammenhang gebracht werden, ist lang: Frühgeburten, verringertes Geburtsgewicht, neurologische Schäden (verlangsamte Reaktionszeit, vermindertes Konzentrations-, Erinnerungs- und Sprachvermögen) und Atemwegerkrankungen bei Kindern, Immunschwäche, Nierenschäden, Parkinson, Arteriosklerose und Bluthochdruck im Erwachsenenalter.
 
Wale und Delphine – schwimmende Giftcocktails
Delphine und einige Walarten stehen am Ende einer langen Nahrungskette und reichern über ihr langes Leben hinweg hohe Giftstoffmengen an. Besonders gefährlich ist die methylierte Form von Quecksilber, die schwere Störungen von Gehirn und Nervensystem verursachen kann. Polychlorierte Biphenyle (PCBs) und DDTs (Dichloro-Diphenyl-Trichlorethan-Verbindungen) schädigen Fruchtbarkeit und Immunabwehr und gelten als krebserregend. Auf den dänischen Färöer-Inseln forderte die oberste Gesundheitsbehörde am 7. August 2008 die Regierung auf, Walfleisch nicht länger als Nahrungsmittel zu nutzen. Ein einmaliger Vorgang, denn die Regierungen anderer Walfangnationen ignorieren weiterhin die Gesundheitsrisiken von Walfleisch.
 
Bakterienverseuchtes Walfleisch – vor allem roh gefährlich
Bei den meisten Ureinwohnern, aber auch in Japan werden Wal- und Delphinprodukte teilweise roh verzehrt – die Konsumenten riskieren die bakterielle Erkrankung Brucellose. „Fast 40 Prozent des Zwergwal-Fleisches aus dem japanischen Walfang im Nordpazifik sind Brucella-verseucht. Der Regierung in Tokio ist dies bekannt. Trotzdem wird das Fleisch verkauft“, kritisiert Sandra Altherr von Pro Wildlife.
 
Gesunde Ernährungsalternativen für Ureinwohner
Einer Studie des dänischen Umweltministeriums zu Folge haben die Inuit in Grönland durchaus gesündere Ernährungsalternativen. „Karibus, Hasen und die meisten Fischarten sind kaum belastet. Walfleisch dagegen hat die höchsten Giftstoffkonzentrationen“, sagt Lüber. Trotzdem verharmlost die semi-autonome Regierung Grönlands die Gesundheitsrisiken und empfiehlt Walfleisch – aus kulturellen Gründen. Ähnlich argumentieren die zuständigen Behörden in Kanada, obwohl Belugas und Narwalen stark mit Giftstoffen belastet sind.
 
Im Juni findet auf Madeira die 61. Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) statt. OceanCare und Pro Wildlife stellen dort den Report „Toxic Menu“ vor und fordern Konsequenzen: Walfang ist wegen Tier- und Artenschutz, aber auch aus Gesundheitsgründen nicht länger zu rechtfertigen.



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