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Delphine: Gejagt, gefangen, gequält – geliebt?
Wädenswil, 22.05.2008
Delphinarien boomen. Doch die Delphine bezahlen einen bitteren Preis für unsere «Delphin-Liebe», denn eine artgerechte Gefangenhaltung ist unmöglich. Nun hat OceanCare eine Petition an die Europäische Union lanciert, gegen den Neubau von Delphinarien und gegen den Handel mit Delphinen und Walen.Delphinarien schiessen weltweit wie Pilze aus dem Boden. Auch in Europa. Im äusserst lukrativen Geschäft werden nach aktuellen Schätzungen an einem einzigen Delphin mit Schwimmprogrammen, Shows, Therapieangeboten, etc. jährlich mehr als eine Million Franken verdient. Die Schattenseite ist der bittere Preis, den die gefangenen Tiere für den Delphinarien-Boom bezahlen. Denn fast alle Show- und «Therapie»-Delphine lebten einst wild und frei im offenen Meer, wo sie rücksichtslos gefangen und ihrem Familienverband entrissen wurden.
Zu Tode «geliebt»? Aus Sicht des Tier- und Artenschutzes ist längst erwiesen, dass der Besuch von Delphinarien und ähnlichen Anlagen, die Delphine in Gefangenschaft halten, dem brutalen Fang weiterer wilder Delphine Vorschub leistet. Deshalb hat OceanCare, die Schweizerische Organisation zum Schutz der Meeressäuger und ihrer Lebensräume, eine Petition an die EU lanciert. Gemeinsam mit Partnerorganisationen im Ausland engagiert sich OceanCare damit gegen den Neubau von Delphinarien und gegen den Handel mit Delphinen und Walen.
Viele Delphine sterben schon während ihres Transports in die Gefangenschaft. «Jene, welche die Strapazen traumatisiert überleben, drehen für den Rest ihres Lebens endlose Kreise in engen Betonbecken, weitab von ihrer sozialen Gruppe», sagt Silvia Frey, Leiterin des Projekts Delphin- und Waltourismus bei OceanCare.
«Monotonie, die unnatürliche Sozialstruktur, die ungewohnte, tote Nahrung, die dauernde Anwesenheit von Menschen und der Mangel an Rückzugsmöglichkeiten bedeuten einen enormen Stress für die Delphine.»
Chronische Krankheiten, eine geringe Lebenserwartung und hohe Jungtiersterblichkeit in den Delphinarien sind die Folge. Grosse Tümmler – diese Delphinart wird in der Regel in Delphinarien gehalten – haben in Freiheit eine Lebenserwartung von über 30 Jahren. In Gefangenschaft werden viele nicht halb so alt. So auch im «Connyland», dem letzten Delphinarium in der Schweiz. Hier ist im Mai 2008 der erst siebenjährige Delphinbulle «Magic» gestorben. Seit dem Jahr 2000 sind damit bereits vier Delphine im «Connyland» verendet.
«Dies ist ein weiterer Beweis, dass es nicht nur aus Sicht des Tier- und Artenschutzes verwerflich ist, Delphine gefangen zu halten, um uns Menschen für viel Geld zu amüsieren und zu „therapieren“», folgert OceanCare-Expertin Silvia Frey: «Deshalb fordern wir mit unserer Petition in der Europäischen Union und in der Schweiz gesetzlich verankert einen sofortigen Stopp für Neubauten von Delphinarien sowie ein Handelsverbot mit Delphinen und Walen.» Die soeben lancierte Petition wird im kommenden Jahr bei der EU-Botschaft in Bern eingereicht.
Weitere Informationen:
» Delphinarien - Schattenseiten eines Booms
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