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Frauen im Kampf für die Natur

Wädenswil, 04.03.2008

Sigrid Lüber erhält den Umweltpreis „Trophée de femmes“ der „Fondation Yves Rocher“

Zum zweiten Mal hat die Umweltstiftung „Fondation Yves Rocher“ den Umweltpreis in der Schweiz ausgeschrieben. Zahlreiche Frauen, die sich um Natur und Pflanzenwelt verdient gemacht haben, sind diesem Aufruf gefolgt und haben sich beworben. Aus allen Einsendungen ermittelten die Jurymitglieder der Umweltstiftung „Fondation Yves Rocher“ drei Preisträgerinnen. Dabei legten sie einen besonderen Schwerpunkt auf Frauen die in ihrem langjährigen Engagement auch andere Menschen für ihre Sache motiviert haben.

An der Preisverleihung der Trophée de Femmes vom 26. Februar 2008 gewann Sigrid Lüber, Präsidentin von OceanCare, für ihren weltweiten Einsatz zum Schutz der Meeressäuger den mit 3 000 Franken dotierten dritten Preis.

Die Summe wird die Preisträgerin in den Schutz des vom Aussterben bedrohten Gewöhnlichen Delphins investieren.

Laudatio von Susanne Rothenbacher, Redaktorin Schweizer Familie

Es gibt Begegnungen, die man ein Leben lang nicht vergisst. Selbst wenn sie nur ganz kurz sind. Das kennt wohl jeder von uns. Den wenigsten von uns käme es jedoch in den Sinn, wegen einer solchen Erfahrung das ganze Leben auf den Kopf zu stellen.

Sigrid Lüber aber hat genau dies getan. Deshalb freut es mich, ihr den dritten Preis übergeben zu dürfen. Auch im Namen der „Schweizer Familie“, der Medienpartnerin des diesjährigen „Trophée de femmes“.

Die „Schweizer Familie“ macht beim „Trophée de femmes“ mit, weil uns Natur, Tiere und Umwelt sehr wichtig sind. Reportagen aus diesem Bereich haben ihren festen Platz im Heft. Ebenso porträtieren wir regelmässig Menschen, die Besonderes leisten. Menschen wie Sigrid Lüber.

Die Begegnung, die Sigrid Lübers Leben veränderte, liegt 19 Jahre zurück. Damals machte sie mit ihrem Mann Tauchferien im Indischen Ozean. Auf einem Tauchgang im offenen Meer fand sie sich plötzlich einer Schule von Delfinen gegenüber. 50, vielleicht auch 60 Tiere kamen auf sie zu, umkurvten sie und verschwanden wieder.

Von diesem Moment an wusste Sigrid Lüber, dass sie etwas für diese Geschöpfe tun wollte. Zurück in der Schweiz begann sie, ehrenamtlich für eine Gruppe zu arbeiten, die gegen Delfinarien ins Feld zog. Mit Erfolg. Die Gruppe konnte verhindern, dass in Martigny im Wallis ein Delfinarium gebaut wurde.

Dieser erste Einsatz scheint wie ein Stein gewesen zu sein, den Sigrid Lüber ins Wasser warf. Er zog immer mehr und immer grössere Kreise.

Aus der einstigen Arbeitsgruppe formte sich die gemeinnützige Organisation OceanCare. Sigrid Lüber steht ihr als Präsidentin vor. Nach wie vor setzt sich OceanCare für eine „delfin-freie Schweiz“ ein. Ebenso wichtig aber ist dem Verein, den Lebensraum von Delfinen und Walen zu erhalten und zu schützen. Die Meeressäuger, so steht es als Ziel auf der Homepage von OceanCare, sind in ihrem Recht auf Freiheit und Wohlbefinden zu respektieren.

Schöne Worte. Doch was bedeuten sie?

Für Sigrid Lüber bedeuten sie beispielsweise, dass sie 85 000 Unterschriften sammelt und diese persönlich im Hauptquartier der NATO vorbeibringt. Warum? Lärm, Unterwasserlärm ist eines der grössten Probleme von Delfinen und Walen. Er macht sie taub und blind, schlicht orientierungslos. Besonders schlimm sind Tests von Sonargeräten. Sigrid Lüber hat die NATO-Verantwortlichen überzeugt. Seit ihrer Aktion wird vor Militärsonartests zumindest geprüft, ob sich Delfine oder Wale im Testgebiet befinden.

Das war ein erster Schritt. Sigrid Lüber freute sich darüber – und machte weiter. Nicht zuletzt dank ihrem hartnäckigen Lobbying hat auch die UNO die Problematik des Unterwasserlärms auf ihre Themenliste gesetzt.

Sigrid Lüber kämpft an vielen Fronten – und setzt trotzdem Schwerpunkte. So liegt ihr auch das Schicksal des Gewöhnlichen Delfins am Herzen. Wenn nichts passiert, wird der Gewöhnliche Delfin aus dem Mittelmeer verschwinden. Er, der einst so häufig war, dass man ihn gewöhnlich nannte. Man weiss auch warum: Das Mittelmeer ist überfischt. Die Delfine finden zu wenig zu fressen. Erst kürzlich hat die italienische Regierung bekannt gegeben, dass sie vor Ischia ein Schutzgebiet für Gewöhnliche Delfine einrichten wird. Fünf Jahre lang hat OceanCare zusammen mit einer italienischen Partnerorganisation für dieses Anliegen gekämpft.

Zeit fürs Tauchen hat sich Sigrid Lüber seit Jahren nicht mehr genommen. Sie hat das Meer mit dem „trockenen Parkett“ internationaler Konferenzen getauscht, wie sie selber sagt. Dort verschafft sie sich immer mehr Gehör – und das, obwohl sie keine Wissenschafterin ist. Ursprünglich hat Sigrid Lüber Maschinenzeichnerin gelernt. Doch sie überzeugt. Weil sie authentisch ist. Weil sie für ihre Aufgabe lebt.

Jahrelang hat Sigrid Lüber auf ein Honorar verzichtet. Tagsüber setzte sie sich für Delfine und Wale ein, abends ging sie ihrem Brotjob nach. Es gab einige Menschen in ihrem Umfeld, auch Freunde, die diesen unbedingten Einsatz nicht verstanden haben.

Doch nie, wirklich nie hat Sigrid Lüber den Mut verloren. Im Gegenteil. Bis heute ist es für sie ein Privileg, ein „riesiges Privileg“, diese immense Arbeit machen zu dürfen.



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