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Kanadas Robben-Massaker weit grösser als geplant

Wädenswil, 20.04.2006

Jagdquote 2006 massiv überschritten

 Auch diesen Frühling wird in Kanada die weltweit grösste kommerzielle Jagd auf Meeressäuger durchgeführt. Derzeit werden 325'000 Robben in kurzer Zeit brutal zur Strecke gebracht.

Trotz massiver internationaler Proteste hat Kanadas Fischerei- und Meeresministerium auch dieses Jahr wieder 325'000 Sattelrobben zur Jagd freigegeben. Und dies obschon nach einem ungewöhnlich milden Winter die Eisschollen eher  dünn sind, und zu befürchten ist, dass unzählige neugeborene Robben ertrinken werden. Bereits in den Jahren 2003 bis 2005 richteten kanadische Jäger mit dem Segen ihrer Regierung ein Blutbad unter wehrlosen Tieren an: In drei Jahren töteten sie über eine Million Jungrobben. Ein schauriger Rekord.

Die Quote für die Jagd im Golf von St. Lorenz wurde um beinahe 20 Prozent überschritten. Das Fischereiministerium teilte am 12. April mitt, dass anstelle der in diesem Gebiet freigegebenen 92'300 Robben in Tat und Wahrheit 108'600 Tiere getötet wurden. Jetzt findet die Jagd vor der Küste Neufundlands statt. Dort sollen 230'000 Robben getötet werden.

Neben der unhaltbar hohen Jagdquote empört auch die Art, wie die Robben zur Strecke gebracht werden: Mit Gewehren, Knüppeln (Hakapiks) und sogar mit Bootshaken gehen die Jäger auf sie los. Vielen wehrlosen Jungtieren wird die Haut noch bei lebendigem Leib abgezogen.

Sattelrobben finden sich jeweils im Februar/März in grossen Gruppen in ihren Paarungs- und Aufzuchtsgebieten auf den Eisschollen im Atlantik westlich und östlich von Neufundland ein. Dort bringen sie ihre Jungen auf dem Eis zur Welt und säugen sie. Die Jungtiere können während den ersten Wochen das Eis nicht verlassen, da sie noch nicht schwimmen können. Zu dieser Zeit sind sie eine leichte Beute für die Jäger.

Das beschämende Massaker, das sich dann zuträgt, wird von den kanadischen Behörden geduldet und von den Steuerzahlern unterstützt, denn jedes Jahr halten sich Eisbrecher der Küstenwache in den Jagdgebieten auf, ohne die die Robbenjagd nicht stattfinden könnte.



Sündenböcke für eine zerstörerische Fischereipolitik

Zuerst begründete Kanadas Regierung das jährliche Robbenmassaker damit, dass die Robben die Fischbestände, insbesondere den atlantischen Kabeljau, dezimiert hätten, was zum Kollaps der Kabeljaufischerei in den 1990er Jahren geführt habe. Diese Begründung wurde hinfällig, als wissenschaftliche Studien deutlich machten, dass für den Rückgang der Fischbestände der industrielle Raubbau an wirtschaftsrelevanten Fischarten durch den Menschen die wahrscheinlichste Ursache ist. Nur ein Bruchteil der Nahrung von Sattelrobben betrifft Fischarten, die auch für den menschlichen Konsum geeignet sind. Eine systematische Dezimierung der Robbenbestände zeugt zudem von einer vereinfachten ökologischen Sichtweise, denn Sattelrobben ernähren sich genauso von Kabeljau-Räubern wie zB. Tintenfischen. Die industrielle Fischerei hat in den vergangenen Jahrzehnten die grossen Räuber, auf deren Präsenz ein gesundes Ökosystem angewiesen ist, im Nahrungsnetz des Nordwestatlantiks praktisch eliminiert. Als natürliche Räuber bleiben nur noch die Robben. Was ihr Rückgang für das Ökosystem bedeutet ist ungewiss. Deshalb wird Kanadas Robbenjagd von wissenschaftlicher Seite her angezweifelt und als ökologisch unverantwortlich bezeichnet.  

Heute argumentiert Kanadas Regierung, die Robben seien die Nahrungsgrundlage der Inuit und der Widerstand gegen die Robbenjagd würde das Überleben dieses Volkes bedrohen. Ein fadenscheiniges Argument, wenn man bedenkt, dass für die Ureinwohner gerade einmal 10'000 Robben als Jagdquote bewilligt sind, 325'000 Robben aber zu kommerziellen Zwecken (Felle, Penisse) erlegt werden. 

Verletzung des Tierschutzgesetzes

Das kanadische Gesetz schreibt vor: „Jede Person, die eine Robbe mit einer Keule oder einem Hakapik schlägt, muss die Robbe auf die Stirn schlagen, bis der Schädel zertrümmert ist, und muss den Schädel von Hand untersuchen oder einen Blinzelreflex-Test durchführen, damit der Tod der Robbe feststeht, bevor ein weiteres Tier geschlagen wird.“ Augenzeugen berichten aber, dass Robbenjäger Tiere reihenweise niederschlagen, ohne sich um die gesetzlich vorgeschriebene Prüfung zu kümmern, ob die Robbe tot ist.

In den letzten Jahren wurden mehr als 660 Beispiele von Grausamkeiten und Verletzungen des kanadischen Tierschutzgesetzes auf Video festgehalten und zusammen mit den Zeugenaussagen dem Departement für Fischerei und Ozeane übergeben. Doch gegen keinen einzigen Tatbestand wurde Anklage erhoben.

Helfen Sie Kanadas Schattenseite ans Licht zu bringen!

OceanCare engagiert sich seit Jahren im Kampf gegen die kanadische Robbenjagd.

2003-2005 verteilte die Organisation in der Schweiz 300'000 Protestkarten an die kanadische Botschaft in Bern. Die Kartenflut rief die Robbenjagd dort täglich in Erinnerung und zeigte dem Botschafter, dass das Massaker für Schweizer inakzeptabel ist.

Am Valentinstag 2005 nahm auf dem Waisenhausplatz in Bern eine lebensgrosse Eisrobbe Gestalt an, die OceanCare der Botschaft von Kanada als Mahnmal für Hunderttausende getöteter Robben überbrachte. Dem Botschafter überreichte sie ein Herz aus Eis, als Symbol der Hoffnung, dass das Eis in den Herzen der zuständigen Politiker schmelzen möge. Im Mai übergaben OceanCare-Präsidentin Sigrid Lüber, Nationalrat Ruedi Aeschbacher, die Rocksängerinnen Natacha und Sandee sowie die Malerin Graziella Blatter der kanadischen Botschaft eine Protestnote, die von 24 prominenten Schweizern aus Politik, Wirtschaft und Kultur persönlich unterzeichnet war.

OceanCare beteiligte sich auch am Internationalen Gerichtshof für Tierrechte, organisiert von den prominenten Umweltschützern Franz Weber und Brigitte Bardot, wo die kanadische Regierung für das Verbrechen an den Robben gestützt auf Anhörungen und Beweisaufnahmen angeklagt und für schuldig befunden wurde.

Dieses Jahr haben die Proteste international noch zugenommen. Der Widerstand ist wichtiger denn je und jede Stimme zählt!

Bestellen Sie jetzt Protestkarten bei OceanCare und fordern Sie den kanadischen Botschafter auf, dass er seinen Einfluss dahingehend geltend macht, dass dem Massenschlachten endlich Einhalt geboten wird. Durch ein breites öffentliches Aufbegehren wird Kanadas neuer Premierminister hoffentlich den Image-Schaden erkennen, der seinem Land durch das Robbenmassaker erwächst und auf Kanadas Grüne hören, die sich für ein Ende der Robbenjagd ausgesprochen haben.


Über OceanCare


OceanCare setzt sich seit 1989 für den Schutz der Meeressäuger und der Ozeane ein. Jagd, Lärm, Überfischung und die Zerstörung der Ökosysteme bedrohen die Zukunft der Tiere – und auch unsere. Mit konstruktiven Massnahmen wie Forschungsprojekten und Umweltbildungskampagnen sowie dem Engagement im Bereich der Gesetzgebung und in internationalen Foren verschafft sich OceanCare weit über die Landesgrenzen hinaus Gehör und setzt Verbesserungen durch. Bei all diesen Aktivitäten streben wir lösungsorientierte Zusammenarbeit an. Denn: Was uns alle angeht, können wir nur gemeinsam lösen.





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