OceanCare Cybernews

Ausgabe 7, Juli 2008

 

Walfangkonferenz 2008: Pattsituation für die Wale

Am Freitag, 27. Juni, ging in Santiago de Chile die 60. Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) zu Ende. OceanCare setzte sich vor Ort für den Schutz der Meeresgiganten ein.

Buckelwal_Mutter und Kalb_R. Dirscherl_www.waterframe.de

   Buckelwalmutter mit Kalb 
   Foto: R. Dirscherl, www.waterframe.de

Im Zentrum der IWC-Debatte stand die künftige Ausrichtung des Gremiums, das seit Jahren durch gleich starke Lager von Walfangbefürwortern und Walfanggegnern lahm gelegt wird. Da unter den bestehenden Umständen ein Zustandekommen der nötigen Dreiviertel-Mehrheit nicht absehbar war, kamen brisante Themen gar nicht erst zur Abstimmung. Darunter Anträge der Walfangbefürworter zur Aufhebung des Walfangmoratoriums und zur Einführung des Küstenwalfangs, aber auch der Antrag der Walfanggegner zur Errichtung von Walschutzgebieten in Süd-Atlantik und Süd-Pazifik.

Deutlich abgelehnt wurde Dänemarks Antrag auf Ausweitung des indigenen Walfangs in Grönland. Die Dänen wollten auf den Abschuss von acht Finnwalen verzichten, wenn ihnen im Gegenzug zehn Buckelwale zugesprochen würden. Die Ablehnung des Antrags lag auf der Hand, da die Wale in Grönland trotz des internationalen Walfangverbots und trotz des Handelsverbots mit Walprodukten noch immer zu kommerziellen Zwecken bejagt werden. Entgegen den Empfehlungen von OceanCare stimmte die Schweizer Delegation für die Annahme des Angebots.

In den vergangenen zwölf Monaten wurden weltweit 1895 Grosswale getötet: 1534 Zwergwale, 132 Grauwale, 100 Seiwale, 63 Grönlandwale, 50 Brydewale, 12 Finnwale, 3 Pottwale und 1 Buckelwal. Sie gehen auf das Konto folgender Länder: Japan (862), Norwegen (597), Dänemark/Grönland (181), Russland (131), USA (64), Island (45), Korea (14), sowie St. Vincent und die Grenadinen (1).



Aktivitäten von OceanCare an der IWC 2008

Fleisch, das keinen Käufer findet, muss nicht produziert werden. Seit 1997 lässt OceanCare von einem renommierten Labor in Tokyo regelmässig Walfleischproben auf den Gehalt von Schwermetallen und Chemikalien untersuchen. Die Studien zeigen durchwegs, dass die „Delikatesse“ mit Schadstoffen verseucht ist. Aufgrund dieser Resultate sinkt die Nachfrage nach Walfleisch in Japan stetig. Heute sind die Kühlhäuser des Inselstaates meist noch voll, wenn die Walfänger bereits wieder zur Jagd ausziehen.

Die Vergiftung der Ozeane - Ein Boomerang für uns Menschen

Titelbild_Bericht_EIA
2008 unterstützte OceanCare die Environmental Investigation Agency bei der Erarbeitung des Berichtes „Poisonous Policies“ zuhanden der IWC. Darin wird belegt, dass Japan den Verkauf des kontaminierten Walfleisches wider besseren Wissens nicht unterbindet.

Gemeinsam mit BlueVoice erstellte OceanCare zudem die Studie „A Shared Fate“, welche die Zusammenhänge zwischen Umweltgiften in den Ozeanen und dem Auftreten gewisser Krebsarten bei Mensch und Tier deutlich macht. Die Resultate wurden in Chile den internationalen Medien präsentiert und im Auftrag von OceanCare unterbreitete eine japanische Forscherin die Studie speziell den Vertretern der japanischen Presse. „A Shared Fate“ stiess auch bei diversen IWC-Delegationen auf grosses Interesse.

Reiseunternehmen gegen den Walfang

Auf Initiative von OceanCare und WDCS sprachen sich anlässlich der Walfangkonferenz zudem 30 Reiseveranstalter in der Schweiz, Deutschland, Österreich und Frankreich gegen den isländischen Walfang aus. Trotz des international geltenden Walfangverbots gab Islands Fischereiminister Mitte Mai vierzig Zwergwale zum Abschuss frei. Das erste Tier wurde tags darauf vor Flaxafloa, einem Ausgangspunkt isländischer Walbeobachtungstouren, getötet. Dass sich der Walfang negativ auf den Tourismus auswirken kann, liegt auf der Hand.

Redefreiheit für karibische Wissenschaftler

Durch langjährig etablierte Beziehungen im Umfeld der IWC erreichte OceanCare, dass Frankreich den Wissenschaftler Stéphane Jérémie aus Martinique in die Delegation aufnahm. Karibische Staaten sind aufgrund ihrer schwachen Ökonomie für Japans Stimmenkauf besonders anfällig, weshalb es wichtig ist, dass karibische Wissenschaftler ihre Meinung ohne Rücksicht auf wirtschaftliche Interessen in die Diskussion einbringen können. 



OceanCare: Dank Ihnen an der IWC!

Ohne Sie wäre unser Einsatz nicht möglich! Seit 1992 ist OceanCare die einzige Schweizer Organisation, die an den jährlichen Konferenzen der IWC die Interessen der Wale verteidigt. Hier finden Sie eine Darstellung unserer bisherigen Aktivitäten zum Schutz der Wale. Das Tagebuch des IWC-Delegierten von OceanCare kann im neuen Blog von OceanCare eingesehen werden.

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