OceanCare Cybernews

Ausgabe 5, März 2007

 

Ein Fisch für den Ostertisch?

Fische werden im Meer immer seltener. Dennoch nimmt die Nachfrage nach Fischen und Meeresfrüchten ständig zu. Riesige Industriefangflotten durchkämmen heute die Weltmeere und bringen mit immer effizienteren Fangmethoden die letzten Speisefische an Land.

Fair_Fisch_Fischbild

Fische_auf_Eis

In rund vierzig Jahren werden die Bestände aller kommerziell genutzten Fischarten erschöpft sein. Zu diesem Schluss kommt eine Studie vom November 2006. Bei rund einem Drittel der Fischarten hat sich die Fanquote bereits um 90 Prozent verringert. Mit der Dezimierung der Fischbestände nimmt auch die Biodiversität in den Ozeanen ab.

Die Fangmenge beträgt derzeit jährlich 141 Millionen Tonnen Fische, wovon zwei Drittel aus Wildfängen stammen. Als nutzloser Beifang verenden zusätzlich jährlich mehr als 30 Millionen Jungfische, Vögel, Wale und Haie in den Netzen.


Zuchtfisch statt Wildfang?

Zunehmend werden Fische aus Aquakulturen in den Läden angeboten. Bedeutet Fischzucht eine Alternative zur Überfischung der Meere? Nein. Das Gegenteil ist der Fall. Aquakulturen verschärfen die Situation zusätzlich, denn die meisten Zuchtfische werden mit Fischmehl ernährt. Dabei werden bis zu vier Mal so viele Fische verfüttert, wie die Zucht schlussendlich hervorbringt.

Von artgerechter Haltung kann in den meisten Aquakultur-Betrieben zudem nicht die Rede sein. Die Fische leben auf engstem Raum und müssen möglichst schell an Gewicht zulegen. Das Wasser ist rasch verschmutzt und um Krankheiten vorzubeugen kommen Antibiotika und andere Medikamente zum Einsatz. Lesen Sie mehr zum Thema Fischzucht im Tages-Anzeiger Magazin vom 10. Februar 2007.


Faire Fische – gibt es das?

Logo Fair FishHeute ist es sinnvoll, wann immer möglich auf Fisch zu verzichten. Wer zum Osterfest aber trotzdem einen Fisch auf den Tisch bringen will, kann sich an den Schweizer Verein fair-fish wenden.

Nur bei fair-fish finden Sie Fische, bei denen Tierschutz, Nachhaltigkeit und fairer Handel gleichzeitig berücksichtigt und streng kontrolliert werden. „Faire Fische“ stammen aus Senegal und werden in Küstengebieten ausschliesslich von kleinen Booten mit wenig Mann Besatzung gefangen. Aufgrund der geringen Kapazitäten ist eine ökologische Bewirtschaftung der Bestände gewährleistet. „Faire Fische“ werden direkt zu Ihnen nach Hause geschickt. Informationen dazu finden Sie bei fair-fish.


Buchtipp

Richard Ellis: Der lebendige Ozean

Buch_Richard_Ellis„Der lebendige Ozean“ ist ein nachdenklich stimmendes Plädoyer gegen die Ausbeutung der Meere. Der Meeresforscher Richard Ellis will wachrütteln. Er schildert eindringlich, wie als Folge rücksichtsloser Überfischung und wirtschaftlicher Ausbeutung die faszinierende Tier- und Pflanzenwelt der Ozeane zerstört wird. Der Leser wird dabei nicht einfach mit alarmierenden Statistiken konfrontiert, sondern – wie Karl-Otto Sattler in einer Rezension schreibt – vor dem Auge "schwimmt vielmehr das Meer mit seiner teils untergegangenen, teils bedrohten, teils auch wiederbelebten grandiosen Vielfalt".

Mare Buchverlag, März 2006, ISBN 3-936384-94-0


 

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