OceanCare Cybernews

Ausgabe 14, August 2006

 


Delphinarien – Schattenseite eines Booms

Die Faszination von «Flipper» ist ungebrochen. Viele träumen davon, Delphine zu berühren oder mit ihnen zu schwimmen. Für die boomende Delphinarien-Industrie ist das Geschäft mit dieser Sehnsucht lukrativ – zum Leidwesen der Tiere.

Dass der Mensch die Delphine liebt, ist verständlich. Eine uralte Verbundenheit ist spürbar. Das Band zwischen Delphinen und Menschen bildet eine Brücke zwischen der Welt der Meere und der Welt des Festlandes. Dass der Mensch die Delphine aus dieser «Liebe» heraus in enge Becken pfercht, ist unverständlich. Ersichtlich wird dies für jeden, der die anmutigen, sozial lebenden Meeressäuger in der Weite des Meeres, wo sie dem Menschen zuweilen aus freien Stücken begegnen, schon einmal beobachten konnte.

Flippers Vermarktung

Viele Delphin-Liebhaber lassen ob ihrer Begeisterung für die Tiere eine zentrale Frage ausser Acht: Welchen Preis bezahlen Delphine für die hautnahe Begegnung mit Menschen in engen Betonbecken und abgeschlossenen Buchten?

Schwimmen mit Delphinen_© Jim Frohoff
Delphin im Beton-Becken_© Kurt Amsler
Der verklärte Flipper-Mythos, mit dem viele von uns aufgewachsen sind, hat den Blick auf die Realität verstellt. Nur so lässt sich erklären, dass die Industrie mit den Delphinen boomt. Weltweit sind in den letzten Jahren in Feriendestinationen die Delphinarien wie Pilze aus dem Boden geschossen. Besonders mit Schwimm-Angeboten fahren Delphinarien und Aquaparks enorme Gewinne ein. Nach aktuellen Schätzungen werden heute pro Delphin jährliche Umsätze von bis zu einer Million US Dollar generiert!

Hier bleibt das Wohl der Tiere auf der Strecke. Neben der eintönigen Umgebung, der unnatürlichen Sozialstruktur und der ungewohnten Nahrung bedeuten die dauernde Anwesenheit von Menschen und der Mangel an Rückzugsmöglichkeiten enormen Stress für die Delphine. Chronische Krankheiten, eine geringe Lebenserwartung und eine hohe Jungtiersterblichkeit sind die Folge.   


Woher kommen die gefangenen Delphine?

Rund 200 Delphinarien existieren derzeit weltweit. Ihre Zahl nimmt stark zu, was die Nachfrage nach neuen Delphinen anheizt. Nachwuchs in Gefangenschaft ist selten, deshalb werden die neuen Showstars fast immer auf brutale Weise im Ozean gefangen.

Besonders grausam sind die Treibjagden vor Japans Küsten, die jährlich bis zu 1'000 Delphinen das Leben kosten. Die Tiere werden auf offener See eingekreist und in Lagunen getrieben, von wo sie in Panik zu fliehen versuchen. Über Nacht bleiben sie eingekesselt, bis im Morgengrauen die Schlächter kommen, begleitet von Delphin-Händlern und in Neoprenanzüge gehüllten Tiertrainern. Während Stunden werden die schönsten Delphine für den Verkauf an Delphinarien aussortiert. Tiere, die den Showkriterien nicht entsprechen, stechen die Schlächter danach mit Schlachterhaken und langen Messern ab, bis sich das Meerwasser vom Blut der Delphine rot verfärbt.

Treibjagd_Japan_© Elsa Nature Conservancy Treibjagd_Japan_© One Voice  Treibjagd_Japan_© Sea Shepherd



 






Erhärtet hat sich inzwischen die bittere Vermutung, dass diese Treibjagden nur noch aufgrund der Einkäufe durch die Delphinarien-Industrie durchgeführt werden. Wilde Delphine erzielen auf dem Markt einen Preis von bis zu 100'000 US Dollar! Ein wahrhaft lukratives Geschäft für die Fänger.

Heute gibt es weltweit viele dressierte Delphine, die die Massen vergnügen. Die Nachfrage ist riesig – erhoffen sich Menschen von der hautnahen Begegnung mit Delphinen doch auch spirituelle Erfahrung oder gar die Heilung von Krankheiten. Hinter der Vermarktung der Tiere steckt eine Milliardenindustrie. Sie hat Begegnungen mit Delphinen zum Trend gemacht hat.     

Menschen haben die uralte Verbundenheit durch das Töten, Verletzen und Gefangennehmen von Delphinen aufs äusserste strapaziert. Respektieren wir endlich ihr Recht auf Freiheit!    
 

OceanCare gibt den Delphinen eine Stimme.
Geben Sie ihre dazu!    


„Delphinarien – Schattenseiten eines Booms“:
Informieren Sie Ihre Freunde!

Delphinarien-Flyer_OceanCare
Mit einer kompakten Broschüre informiert OceanCare über die prekären Hintergründe von Delphinarien. Wer die Schattenseiten kennt, kann entscheiden, ob er oder sie das Geschäft mit Delphinen wirklich unterstützen will.

Kostenlos zu bestellen bei:
info@oceancare.org oder Tel. +41 (0)44 780 66 88.


 





Protesttrommeln gegen das japanische Delphin-Massaker in Bern:
Kommen Sie vorbei!

Wann und wo?         
Welttiertag, Mittwoch, 4. Oktober 2006
13.30-17.30 Uhr auf dem Kornhausplatz in Bern

Was?         
Die Protest-Kampagne 2006 wird mit der japanischen Buk-Trommel „eingetrommelt“. Denn Japan pflegt nicht nur grausame und blutrünstige Traditionen: Zwei Schweizer Musiker der Gruppe „blue flower“ erinnern mit ihrer asiatischen Trommelkunst daran, dass das Land ein reiches musikalisches Erbe hat, das von einer würdigen Tradition zeugt. Die eindrückliche Performance setzt zugleich ein lautstarkes Signal für den Schutz der Delphine. 

Gegen das Massaker ansprayen: Während der gesamten Dauer der Aktion ist das Atelier Artmos4 vor Ort und sprayt Protestbanner gegen die Treibjagd auf Delphine.   

 

Protestkarten-Aktion an die Japanische Botschaft in Bern:
Machen Sie mit!

Bereits seit Juli 2005 flattern täglich Proteste aus der Schweizer Bevölkerung in den Briefkasten der japanischen Botschaft in Bern. Tausende von Karten weisen den Botschafter auf die dunklen Schatten hin, die das Delphin-Massaker von Taiji auf sein Land wirft, und rufen dazu auf, das Gemetzel zu beenden.

Bestellen Sie Protestkarten unter:
info@oceancare.org oder Tel. +41 (0)44 780 66 88. (ca. 1'000 Karten noch an Lager, neue Auflage ab Anfang September)



Globale Petition gegen das japanische Delphin-Massaker:
Ihre Unterschrift zählt!

OceanCare unterstützt die Globale Petition, die 2005 in Amerika von den Organisationen One Voice, International Marine Mammal Project (Earth Island Institute) und Elsa Nature Conservancy initiiert wurde. Setzen Sie hier Ihre Unterschrift auf die Petition und senden Sie den Bogen an OceanCare. 
 



 

Mitgliedschaft

 Werden Sie Mitglied von OceanCare – aus Freundschaft zu den
 Meeressäugern!

Die Zeit drängt.
 Helfen Sie uns, Wale, Delphine und Robben noch effizienter zu schützen.

 http://www.oceancare.org/de/shop/mitgliedschaft.php (Bezahlung online) oder
 http://www.oceancare.org/de/kontakt/index.php (Kontaktformular).

 

OceanCare
Postfach 30, 8820 Wädenswil
Tel. +41 (0)44 780 66 88
info@oceancare.org
www.oceancare.org

OceanCare engagiert sich seit 1989 für den Schutz der Meeressäuger und der Ozeane. Die Gefahren, denen die Meeresbewohner ausgesetzt sind, nehmen massiv zu: Jagd, Überfischung, Lärm und Umweltzerstörung bedrohen die Zukunft der Tiere – und auch unsere. Mit Forschungsprojekten, Petitionen, Umweltbildungs- und Informationskampagnen und politischem Engagement verschafft sich OceanCare erfolgreich Gehör. Bei all ihren Aktivitäten strebt die Organisation eine kooperative und lösungsorientierte Zusammenarbeit an. Denn: Was uns alle angeht, können wir nur gemeinsam lösen.

Mit der Cybernews informieren wir Sie über Aktualitäten im Schutz der Meeressäuger. Ihre Adresse wird strikt vertraulich behandelt und garantiert nicht an Dritte weitergegeben. Selbstverständlich können sie die Cybernews jederzeit abbestellen.