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Telefon-Interview mit Graziella Blatter-Bianca.

Die Ex-Frau von FIFA-Präsident Sepp Blatter arbeitete von 2000 bis 2001 als Delphin-Betreuerin im Connyland.

Wie haben Sie vom Tod des Delphins Shadow erfahren, wie darauf reagiert?

Aus der Zeitung. Mich hat erschüttert, dass kurz zuvor offenbar in unmittelbarer Nähe des Delphin-Beckens eine Techno-Party veranstaltet worden ist. Das erinnert mich an meine Zeit im Connyland; schon damals war das Delphinarium als Disco konzipiert und es fanden zusätzlich rund um das Becken Anlässe mit sehr lauter Live-Musik statt. Für Delphine, die auf Geräusche besonders empfindlich reagieren, ist dies eine unzumutbare Belastung. Ich hatte geglaubt, mit dem Umbau im Connyland sei die Disco geschlossen worden, aber offenbar hat sich nichts geändert.

Vor eineinhalb Jahren hat die Tierschutzorganisation Oceancare eine Strafklage gegen das Connyland eingereicht. Gestern gab die Staatsanwaltschaft Kreuzlingen bekannt, dass die Klage abgewiesen und die Untersuchung eingestellt wird.

Das ist mir unverständlich. Offensichtlich wurde nicht in alle Richtungen ermittelt. Ich hatte mich bereit erklärt, über die Missstände auszusagen, bin aber nie angehört worden.

Was hätten Sie gerne ausgesagt?

Es sind zahlreiche Vorfälle passiert, die hätten untersucht werden müssen – vor allem in Bezug auf die hygienischen Verhältnisse und die Wasserqualität. Connyland-Angestellte haben einander aus Jux zu den Tieren ins Wasser geworfen, mit schmutzigen Kleidern und Schuhen. Das kann das Wasser kontaminieren und verschärft die damals bestehende Seuchengefahr; denn Delphine sind sehr empfindlich – zumal das Wasser, ihr Lebensraum, in einem Delphinarium ohnehin sehr knapp bemessen ist. Es war auch üblich, dass säureartige Substanzen ins Becken eingebracht wurden, die das Wasser optisch aufklaren sollten. Das Personal, das mit den Delphinen arbeitete, war offensichtlich unqualifiziert – so wurde das hormonhaltige Medikament Ovarid, das so sagte man mir den Geschlechtstrieb der männlichen Tiere unterdrücken soll, von einem Mitarbeiter versehentlich schwangeren weiblichen Tieren verabreicht.

Gab es während des Jahres, in dem Sie im Connyland tätig waren, Todesfälle?

Es gab Totgeburten, die nie näher untersucht worden sind.

Warum haben Sie das Connyland verlassen?

Ich habe mich nie gescheut, auf Missstände  hinzuweisen und den respektlosen Umgang mit den Tieren zu beklagen, und das hat nicht allen Mitarbeitern gefallen. Eines Morgens - Gerda & Conny Gasser waren gerade im Urlaub - fand ich einen Galgenstrick, in der Halle beim Delphin-Becken baumeln, der mir offensichtlich signalisieren sollte, dass ich verschwinden solle. Der Plüsch-Delphin, mit dem ich den Besuchern die Anatomie der Tiere erklärt habe, wurde mit Brandlöchern von Zigaretten zerstört. Ich fühlte mich gemobbt – und verliess das Connyland mit sehr unguten Gefühlen; denn die Tiere waren mir sehr ans Herz gewachsen.

Warum haben Sie zehn Jahre lang gewartet und sind nicht früher an die Öffentlichkeit gegangen?

Mir schien dies kontraproduktiv – zudem wollte ich die Familie Gasser schonen: die inzwischen verstorbenen Gerda und Conny waren damals stets sehr freundlich zu mir und wollten eigentlich nicht, dass ich gehe. Ich steckte in einem Gewissenkonflikt – zwischen meiner Loyalität zur Familie Gasser und meiner Liebe zu den Delphinen. Erst als nach einigen Monaten mein Lieblingsdelfin Gecko starb, begann ich mich kritisch zu äussern, beschränkte mich jedoch auf diesen Vorfall. Gecko wurde damals in ein sehr kleines Seelöwenbecken umquartiert. Dies weil die zuvor ebenfalls umquartierte schwangere Chicky vermutlich aus Stress nicht mehr fressen wollte. Gecko soll während des Transports die Treppe heruntergefallen sein teilte mir später ein Insider mit. Leider war ich nicht dabei und kann dies daher nicht persönlich bezeugen. Gecko starb wenige Monate später. Das Wasser war inzwischen eiskalt, da es nicht beheizt wurde.Jetzt, nach den jüngsten Vorfällen und nachdem ich erfahren musste, dass sich nicht viel geändert haben soll, kann ich nicht länger schweigen.

Wie soll es weitergehen mit dem Connyland?

Delphine kann man in Gefangenschaft nicht artgerecht halten. Die Tiere, die heute noch dort leben, können aber auch nicht mehr ausgewildert werden, ihnen kann man nur noch helfen, indem man sie für den Rest ihres Lebens mit fachmännisch ausgebildetem Personal einfühlsam und respektvoll pflegt – wenn möglich in einem grossen Becken voller Meerwasser. Dafür möchte ich mich mit aller Kraft einsetzen.

Lesen Sie auch den Kommentar von OceanCare Einstellungsverfügung der Strafanklage gegen die Connyland Parkbetreiber.




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