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Globale Korruption vernichtet weltweite Fischbestände
Weltweite Korruption setzt den globalen Fischbeständen immer mehr zu. Zu diesem Schluss kommt die World Conservation Union IUCN in einer aktuellen Studie. Die Korruption erfasse sämtliche Bereiche des Fischfangs, kommt die Organisation zum Schluss. Die eigentliche Katastrophe daran sei jedoch, dass sich die Situation noch verschlimmern werde.
"Korruption frisst sich in die Knochen der Fischereiindustrie", meint der Experte Andrew Hurd, Deputy Head des IUCN Meeresprogramms. Die international vereinbarten Reglements über Fangquoten würden zumeist nicht eingehalten, da die Mengen der gefangenen Fische weltweit immer weiter abnehmen. Zudem frequentieren immer mehr "Piratenschiffe", die unter falschen Flaggen fahren, die Weltmeere. Ein weiteres großes Problem ist das falsche Ettikettieren von Fischen als "nachhaltig". Unter Druck geraten auch die Fischereiinspektoren, die dem Experten zufolge zunehmend bedroht oder geschmiert werden. Auch die Shrimp-Farmen in den tropischen Regionen stehen auf der Liste der IUCN: Hier würden vielfach Kinder als billige Arbeitskräfte eingesetzt.
Das Gesamturteil der IUCN ist dramatisch: Etwa ein Fünftel der gesamten Fische aus den Meeren sind illegal gefangen. Auch für die Experten sind diese Ergebnisse schockierend, denn Fangquoten werden nach Beständen errechnet. Viele Forscher haben den Druck auf die Fische unterschätzt und die Quoten zu hoch angesetzt. Nicht einmal das werde von den Behörden überwacht, kritisiert die Organisation. "Fischerei-Manager sollten zur Verantwortung gezogen werden, wenn sie wissenschaftliche Gutachten ignorieren", so Hurd.
Nur ein Beispiel war die Meldung über den taiwanesischen Tunfisch-Trawler "Sheng Yi Hsing No.16", der am 15. August 2007 in den Hoheitsgewässern der mikronesischen Inselgruppe Palau aufgehalten wurde. An Bord des Schiffes konnten die Behörden des Palau Bureau of Marine Resources 650 Haifischflossen, zehn Haiköpfe und rund 94 Haifischkörper und sowie Marline, Mahi-Mahis, Wahoos und Barrakudas sicherstellen. Keiner der Fische war in den offiziellen Logbüchern des Fischkutters eingetragen. Zudem ist in den Hoheitsgewässern des Inselstaats das Fangen von Haien strengstens verboten. Experten wissen längst, dass dies nur ein Beispiel in einer Reihe ähnlich gearteter Fälle ist. In den Weiten des Pazifiks, des Indischen Ozeans oder des Atlantiks ist eine lückenlose Fangkontrolle kaum möglich.
Die Alarmglocken schrillen auch deswegen so laut, weil sich auf der Erde nach Berechnungen der FAO 3,5 Mrd. Menschen von Fisch ernähren. Ein Großteil davon lebt in den ärmsten Ländern der Welt. Im Buch "Meer ohne Fische? Profit und Welternährung", das im Campus Verlag erschienen ist, haben die Autoren das Beispiel des irischen Hightech-Trawlers "Atlantic Dawn" angeführt, der täglich bis zu 400 Tonnen Fisch aus dem Meer holt. Um diese Menge zu fangen, bräuchte ein lokaler Kleinfischer, der täglich fischen geht, zehn Jahre lang. (Ende)
Weitere Informationen:
» Fishy Business: The illegal Driftnetfishery
» Videoaufnahmen von illegaler Fischerei - unter anderem auch in Schutzgebieten
» IUCN’s Science Behind the Guidelines
» FAO’s Technical Consultation on the Management of Deep Sea Fisheries on the High Seas
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