LAUFENDE PROJEKTE
OceanCare Walforschung im Mittelmeer
Forschungs-Törns im sommerlichen Mittelmeer
Obwohl viele von uns schon mal am Mittelmeer in den Ferien waren, weiss kaum jemand, dass sich in den Sommermonaten im korso-liguro-provenzalischen Meeresbecken jeweils zahlreiche Wale und Delfine versammeln. Darunter, nebst anderen, der sagenumwobene Pottwal, die weltweit zweitgrösste Walart, der Finnwal sowie der Blau-Weisse Delfin, von welchem bereits griechische Mythen berichten.
Das korso-liguro-provenzalische Meeresgebiet zeichnet sich durch einen für das Mittelmeer ausserordentlich hohen Nahrungsreichtum während des Frühjahrs und Sommers aus, weshalb es von verschiedenen marinen Lebewesen, insbesondere Waltiere, aufgesucht wird. Aufgrund dieser ökologischen Besonderheit und Wichtigkeit wurden 1999 rund 85'000 km² von Hyères über die Côte d'Azur bis in die südliche Toscana und dem Norden Sardiniens durch die Anrainerstaaten Frankreich, Monaco und Italien vertraglich zum Wal- und Delfin-Schutzgebiet erklärt. Der Vertrag trat im September 2001 in Kraft.
» Wale und Delphine im Mittelmeer Übersicht
Das internationale Abkommen ist Ausdruck des politischen Willens der Parteien, sich für den Schutz der Lebewesen im Sektor einzusetzen. Dessen Umsetzung erfordert die Erarbeitung von Wissens-grundlagen und entsprechenden Massnahmen auf verschiedensten Ebenen, denn die Waltiere im Mittelmeer haben mit zahlreichen Gefährdungen zu kämpfen wie
- Meeresverschmutzung
- Entzug oder Verminderung der Nahrungsressourcen
- Schiffsverkehr
- Interaktionen mit Fischerei
- Störung des Lebensraums durch touristische Aktivitäten
MEDCET - OceanCare Forschungsprojekt zur Erfassung der zeitlichen und räumlichen Häufigkeit von Wal- und Delfinspezies im Mittelmeer
OceanCare will zum Schutz der Wale und Delfine im Mittelmeer, dem Meer vor unserer Haustüre, aktiv beitragen. Wir führen seit 1997 ein nicht-invasives Monitoring über die Verbreitung der Waltiere vor der Côte d'Azur durch. Es geht dabei um die Untersuchung der räumlichen und zeitlichen Häufigkeit einzelner Wal- und Delfinarten im Schutzgebiet sowie die Abschätzung und langfristige Beobachtung von Populationsgrössen/-verläufen. Das Projekt mit Namen MEDCET (MEDiterranean CETaceans = Waltiere des Mittelmeers) ist in Wochenkursen organisiert und bietet interessierten Personen die Möglichkeit, Wale und Delfine in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten und gleichzeitig zu ihrem Schutz beizutragen.
Vor allem Dank den KursteilnehmerInnen kann OceanCare dieses Forschungsvorhaben verwirklichen, da sie sowohl bei der Datenerfassung auf See als auch bei der Projektfinanzierung mitbeteiligt sind. Die Forschungsarbeit basiert auf einer standardisierten Beobachtungsmethode (Linientransekt), welche eine allfällige Störung der Wale minimiert. Die Methode ist in der Walforschung weit verbreitet und wird vor allem dort angewandt, wo es sich um Untersuchungen in geografisch weiten und offenen Gebieten handelt. Da die Wale und Delfine über 90% ihrer Zeit unter Wasser zubringen wird die visuellen Ortung durch einen akustischen Raster mittels Hydrophonaufnahmen ergänzt.
Die Kursteilnehmenden werden bereits vor der Abreise über ihre Arbeit und die im Mittelmeer vorkommenden Wale und Delfine informiert. Nach einer praktischen Einführung an Bord erfolgt schliesslich die aktive Beteiligung an der Forschungstätigkeit, welche, falls das Wetter es zulässt, während der gesamten Kurswoche konsequent verfolgt wird. Während des Kurses vermitteln kompetente OceanCare Guides Informationen über die Lebensweise von Walen und Delfinen sowie deren Lebensraum. Zudem wird den KursteilnehmerInnen auch die Möglichkeit geboten, sich von erfahrenen Skippern Kenntnisse im Segeln anzueignen (Meilennachweise für B-Schein AnwärterInnen sind möglich) sowie das einfache Leben an Bord eines Segelschiffes kennenzulernen und aktiv mitzugestalten.
Ein effizienter und nachhaltiger Schutz von Lebewesen und ihrem Lebensraum setzt Kenntnisse über die entsprechenden Arten und ihre Lebensweise voraus. Dazu gehören u.a. Angaben zur Populationsgrösse, deren zeitliche und räumliche Verbreitung und den artspezifischen Wechselwirkungen mit der Umwelt. Auf der Basis von wissenschaftlichen Erkenntnissen können gesetzliche und politischen Rahmenbedingungen zum Schutz der Spezies und ihrem Habitat abgeleitet werden. Das Wissen über die Wale und Delfine im Mittelmeer wächst in den letzten Jahren kontinuierlich an. Noch immer gibt es zahlreiche offene Fragen, die es zu beantworten gilt. Zudem ist die fortwährende Überprüfung der Lebenssituation der Waltiere (Populationsverläufe, Verbreitung, Nahrungsressourcen, etc.) unabdinglich für eine nachhaltige Wirkung des Schutzgebiets im Mittelmeer, ansonsten wäre die entsprechende Vereinbarung nicht mehr als der schriftlich verfasste Wille zum Schutz der Waltiere, welcher einer praktischen Umsetzung entbehrt.
Erlebnisbericht einer Teilnehmerin
Zürcher Landzeitung Bericht 2007
Tages-Anzeiger Reportage: Einführung
Tages-Anzeiger Reportage: Tage 2 und 3
Tagesanzeiger Reportage: Tage 4, 5 und 6
OceanCare ergänzt ihre vielgestaltigen Anstrengungen zum Schutz der Meeressäuger durch dieses Projekt um den weiteren, wichtigen Aspekt der wissenschaftlichen Walforschung. Ziele und praktischer Nutzen des Projektes sind:
- Beitrag an die wissenschaftliche Untersuchung von Verbreitungs- und Populations verläufen der Wale und Delfine im mediterranen Schutzgebiet. OceanCare ist überzeugt,dass es in Bezug auf den Schutz der Wale und Delfine im Mittelmeer notwendig ist:
1. das derzeitige Netz für die Datenerhebung auszubauen
2. die Anstrengungen zu verstärken, die zu einer besseren Kenntnis der räumlichen und zeitlichen Häufigkeit der Wale führen - Umweltbildung und -sensibilisierung. OceanCare Mitgliedern soll die Möglichkeit geboten werden, die Tiere, zu deren Schutz sie das ganze Jahr über beitragen, in Freiheit zu erleben sowie ihre Lebensweise und ihren Lebensraum besser kennenzulernen.
- Zusammenarbeit mit mediterranen Forschungsinstitutionen. Durch unsere alljährliche Anwesenheit vor der Küste der Provence verfügen wir über ideale Voraussetzungen, um die langfristige Entwicklung des ökologischen Gleichgewichts in dieser Region aufmerksam zu verfolgen. Dank der aktiven Beteiligung ihrer Mitglieder kann OceanCare dem Fichier d'Observations en Mer der Commission Internationale pour l'Exploration Scientifique de la Méditerranée (CIESM) Daten zur Verfügung stellen, die sich aufgrund des finanziellen Aufwandes nicht vollumfänglich erheben liessen.
Erste Resultate und somit einen Überblick über die räumliche und zeitliche Verbreitung der verschiedenen Wal- und Delphinarten im MedCet-Untersuchungsgebiet finden sich in einem Auswertungsbericht, welcher auf den Sichtungsdaten 1997-2005 basiert.
Sehen Sie dazu auch unseren Kurzvideo MedCet Walforschung von OceanCare! Wir danken B. Focke für die Realisation des Films, der WDCS für Bild-Ergänzungsmaterial und der OceanCare Crew für ihren Einsatz. (Achtung: Der Video ist 45MB gross ist; der Download nimmt etwas Zeit in Anspruch.)
Melden Sie uns Ihre Beobachtung von Walen und Delphinen im Mittelmeer!
Zahlreiche Menschen sind mit Schiffen in ihrer Freizeit auf dem Mittelmeer unterwegs. Viele haben uns bereits angefragt, ob sie uns ihre Beobachtungen von Walen und Delphinen mitteilen sollen.
Die Datenaufnahme von Freizeitschiffen aus ist als Ergänzung zu Forschungsprojekten sehr hilfreich, zumal die Forschungsprojekte nicht das ganze Mittelmeer abdecken können.
Bitte protokollieren Sie Wal-/Delphinsichtungen mit dem hier verfügbaren Beobachtungsprotokoll. Zusätzlich haben wir eine kurze Zusammenstellung der Identifikationsmerkmale für die acht häufigsten Wale und Delphine im Mittelmeer ausgearbeitet, welche Sie hier ebenfalls herunterladen können. Wann immer möglich, ist es sinnvoll, wenn Sie Sichtungen mit einem Foto dokumentieren.
Ihre Sichtungsmeldungen werden an eine zentrale Datenbank über Wale und Delphine weitergeleitet. Für allfällige Fragen stehen wir selbstverständlich gerne zur Verfügung. Vielen Dank für Ihre Mitarbeit!
Wer zusätzliche Informationen über Wale und Delphine und die Artbestimmung sucht, findet beispielsweise in folgendem Buch zahlreiche Beschreibungen: Wale und Delfine in europäischen Gewässern – Beobachten, Bestimmen, Erleben von Mark Carwardine, 2003, Delius Klasing Verlag, ISBN 3-7688-1456-4.
» Bestimmungsmerkmale Wale und Delphine Mittelmeer
» Sichtungsprotokoll für Freizeitschiffe
Weitere OceanCare-Forschungsaktivitäten
Kooperationsprojekte zum Schutz der Delfine im Mittelmeer
OceanCare setzt sich in zwei weiteren Forschungsprojekten im Mittelmeer für den Schutz von Delfinen ein. Ein Hauptanliegen beider Projekte ist die Erhaltung des Gemeinen Delfins (Delphinus delphis), welcher im zentralen Mittelmeer seit den 1970-er Jahren aus bisher nicht vollständig geklärten Gründen einem drastischen Rückgang unterworfen ist.
Zum einen handelt es sich um ein Kooperationsprojekt mit dem Tethys Research Institute und WDCS (Whale and Dolphin Conservation Society). Das Projekt soll Informationen über die wesentlichen Bedrohungsfaktoren von küstennah lebenden Delfinpopulationen anhand von Studien in der Adria und im Ionischen Meer aufzeigen, das Bewusstsein der Öffentlichkeit und von Institutionen steigern und zur Ergreifung von entsprechende Maßnahmen für den Schutz der Tiere führen.
Zum anderen lancierte OceanCare gemeinsam mit Delphis Mediterranean Dolphin Conservation ein Forschungs- und Schutzprojekt in Ischia (Italien). Anhand von Feldstudien zur Biologie und Ökologie des Gemeinen Delfins werden die notwendigen Grundlagen bereitgestellt, um die Schaffung eines Meeresschutzgebietes zu erreichen und bisher ausstehende Massnahmen zur Erhaltung der Delfinart zu ergreifen.
Planktonforschung
Nebst dem Monitoring zur Verbreitung der Wale und Delfine untersucht OceanCare in Zusammenar-beit mit Prof. Dr. David G. Senn der Universität Basel die Zusammensetzung des Planktons vor der Côte d'Azur. Obwohl für das Leben im Meer unentbehrlich offenbart sich diese fantastische Lebenswelt mit ihrer schier grenzenlosen Formenvielfalt oft nur unter dem Mikroskop, da sich das Plankton aus meist winzigen Organismen aus dem Pflanzen- und Tierreich zusammensetzt.
Für eine Beurteilung des Zustands des Planktons, welches als Basis der Nahrungsketten im Meer eine zentrale Stellung einnimmt, sind jedoch qualitative Untersuchungen zur Artenzusammensetzung und allfälliger Veränderungen unentbehrlich. Mittels spezieller Netze werden dabei Planktonproben aus verschiedenen Tiefen auf See genommen, welche später mikroskopisch untersucht werden können.
David G. Senn setzt sich für den Schutz des Planktons ein. Sein Ziel ist es, binnen zehn Jahren die Gewässerqualität in unseren Meeren qualitativ anhand der Artenzusammensetzung des Planktons beurteilen zu können.
«Angesichts der Ausbreitung und der Tätigkeiten des Menschen auf unserem Globus müssen wir uns allerdings um gesunde Lebensräume und Stoffkreisläufe grosse Sorgen machen. Das Wohler-gehen der Biosphäre hängt sehr von der Vitalität des Planktons ab. Alle Tiere des Meeres und manche auf dem Land leben letztlich vom Plankton.» (Zitat David G. Senn).zurück
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